Zeigt her eure Füße

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Zeigt her eure Füße – oder besser nicht?

Seit wir aus dem Alter heraus sind, in dem wir gern und häufig unsere Zehen in den Mund nahmen, haben wir, im wahrsten Sinne des Wortes, ein etwas „entferntes“ Verhältnis zu unseren Füßen entwickelt. In der Tat sind die Füße ja am weitesten weg von unserem Aufmerksamkeitszentrum Kopf. Geraten sie dadurch schnell in Vergessenheit? Zu unrecht, denn sie sind eine lebenslange, wichtige „Stütze“ für uns.

 

Eine, vielleicht nicht so oft bedachte, biomechanische Tatsache möchte ich ins Bewusstsein rufen: unsere aufrechte Zwei-Füßigkeit hat ein recht ungünstiges Hebel-Verhältnis geschaffen: der rund 7kg schwere Kopf ganz „oben“ auf dem gemittelt 170cm langen „Knochengerüst“ eines Erwachsenen muss ausbalanciert werden über die absurd kleine Fläche von zwei Füßen!

Klar, wenn alles glatt läuft, kompensiert der Organismus diesen Hebel über seinen Tensegrity-Aufbau mittels Knochen, Muskeln, Faszien et al. und schafft es so, dass unser Kopfgewicht uns nicht zu Boden wirft.

Ist jedoch die natürliche, aufrechte Körperbalance kompromittiert, z.B. durch ein aus einer Bewegungsgewohnheit heraus nach vorn geschobenes Becken, einen zusammengesunkenen Oberkörper und nach vorn hängenden Kopf, so haben es die Füße schwer mit der verschobenen Balance des Körpers und baden das (auch) aus. Es können sich Verformungen der Zehen, Zehengrundgelenke (z.B. Hallux valgus) oder des Fußrückens bilden und Senk-, Spreiz-, Plattfüße gelten heute als „normal“ und – unabänderlich! Einlagen aller Art bieten allenfalls Erleichterung, spülen zumeist nur Geld in die Kassen der Hersteller.

Hornhaut ist ein weiterer, zuverlässiger Anzeiger auf eine örtliche Überbelastung des Fußes und sollte mit Aufmerksamkeit willkommen geheissen werden! Denn nun besteht Handlungsbedarf! Aber welcher? Leider wird häufig reflexartig zu Hobel und Weichmachpflaster gegriffen, um das lästige Übel zu beseitigen. Doch davon profitiert allein die Kosmetikindustrie. Wenn wir unser „Haltungs- bzw. Bewegungs“verhalten nicht ändern und so die Überbelastung des Fußes beseitigen, dann kommt die Hornhaut zuverlässig wieder – sie MUSS, es ist ihre Aufgabe.

Was also ist zu tun? Oder, als „Alexander-Technik-Frage“:

Was ist zu lassen?

Die Alexander-Technik ermöglicht dir durch bewusste Steuerung deiner Gedanken das „NICHT TUN“ zu erlernen und statt dessen die natürlichen Reflexmechanismen wirken zu lassen, um zu einer natürlichen Körperbalance zurückzufinden – und so deinen Füßen ihre angemessene Funktion zurückzugeben.

Was aber steht Veränderungen am meisten im Weg? Das Erkennen und Verändern unserer Gewohnheiten, mit denen wir alltägliche Aktivitäten ausführen!

Im Alexander-Technik Unterricht wirst du aufmerksam auf deine Gewohnheiten: WIE du stehst, dich setzt und wieder aufstehst, wie du dich über ein Waschbecken beugst, usw.… Du lernst, ungünstige Gewohnheiten loszulassen und durch neue, günstige Muster zu ersetzen.

Als ich in 2012 die Alexander-Technik entdeckte, hatte ich (wie ich damals fand) von oben betrachtet ganz „ordentliche“ Füße in Schuhgrösse 39. Unter beiden Großzehballen allerdings hatte sich ein Alpenpanorama an Hornhaut aufgewölbt. Wöchentlich weichte ich sie in Fußbädern auf, schnitt (!), hobelte, cremte, … Zwar ohne bleibenden Erfolg, aber ich wußte es ja nicht besser.

Doch mit der sich langsam verändernden Körperbalance infolge meiner Alexander-Technik-Stunden schwand u.a. die Überlastung des Fußes – und die Haut der Sohlen wurde weich wie ein Kinderpopo. „Ganz von allein“.

Die „von oben“ sichtbaren Auswirkungen waren noch viel dramatischer!

Eine glückliche Begebenheit zum

Vergleich meines körperlichen Zustandes VOR und NACH Beginn der Arbeit mit der Alexander-Technik

stellen die Bilder meiner Füße dar.

Dieser Ausschnitt eines klassischen Urlaubsbildes (linkes Bild) zeigt meine Füße in Florida im Juli 2011 - VORHER.

blog fuss1  blog fuss2 (Bilder: eigenes Material)

Meine Schuhgröße betrug damals 39 – und NEIN, meine Schuhe waren nie zu eng. Die verschrumpelten Zehen habe ich mir selbst „gemacht“

Mir wäre dieses Bild nie in Erinnerung geblieben, wenn nicht mein Mann es als Hintergrundbild auf den Heim-PC geladen hätte.

Im Januar 2012 begann ich Unterricht zu nehmen in der Alexander-Technik, also der Beginn einer intensiven Zeit der Arbeit mit den Prinzipien und mir selbst. In 2013 hatte ich am besagten PC zu tun, setzte ihn in Gang, wartete, bis er hochfuhr und dann – was für seltsam verwrungene Füße waren denn da zu sehen ? Mittlerweile sahen meine Füße ganz anders aus und der Anblick des früheren Zustands hat mich zutiefst berührt.

Ich nutzte die glückliche Fügung, ein VORHER-Bild zu besitzen und stellte eine Vergleichsszene am Strand von Vlieland nach, im September 2013 - NACHHER. Zum besseren Vergleich rechts neben dem VORHER-Bild zu sehen.

Meine Füße hatten sich deutlich „entspannt“ und meine Schuhgröße war auf 40/41 angestiegen – und JA, ich musste meine Schuhmodelle komplett austauschen, denn die alten waren mir zu eng geworden.

Im August 2017 zeigt das Foto meiner Füße eine weitere Längung der Zehen, aber auch der Vorderfuss ist mittlerweile weich und gelöst. Schuhgröße nun 42/43.

Ahhh ... eine Wohltat.    blog fuss3

Aufmerksam machen möchte ich auch auf den abzulesenden „Einfallswinkel“ der Unterschenkel. Im ersten Bild erahnt man die O-Beine, die sich im Verlauf der Arbeit mit der Alexander-Technik deutlich begradigt haben. Schön, wenn Knochen passend auf Knochen stehen können.

Meine Füße verdeutlichen meine fortschreitende „Ent-Wicklung“ im gesamten Organismus.

Denn: die Füße spiegeln uns unseren Zustand „oben drüber“ wider !

Alles, was weiter oben aus dem Gleichgewicht geraten ist, wie Beine, Becken, Rücken, Schultern, Kopf, … müssen letztendlich AUCH die Füße ausbaden, da sie den Kontakt zum Boden darstellen und uns balancieren.

Lass uns beginnen!

 

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